Friday, July 11, 2014

Tag 32: Schwerfällig

http://youtu.be/_ue714d1V6I

Heute war ein sehr sehr langsamer Tag. Die Ereignisse von gestern haben mich wohl etwas mehr mitgenommen als ich dachte, denn ich kam bereits am morgen kaum aus den Federn. Ich hatte mir mit Chandler ein eher kleines Ziel gesteckt, nicht zuletzt weil es in dieser Gegend nur wenige Orte und noch weniger Hotels gibt.
Das Wetter war tadellos, ab mittags war keine Wolke mehr am Himmel und es waren 35 grad bei etwas (Gegen)Wind. Ich hatte gehofft dass ich nach dem Frühstück und an der frischen Luft etwas weniger groggy sein würde, doch nein. Selbst unnötig hohe Mengen an Energy-Drinks änderten daran nichts. Auch wenn die Strecke kurz war kam ich nur mühsam voran. Ich fühlte mich als ob man mich nach einem harten Tag um 3 uhr nachts aus dem Bett geworfen hätte. Nicht hungrig, nicht durstig und auch die Muskeln machten weniger Probleme als sonst, aber alles woran ich denken konnte war mich irgendwo für die nächsten zwölf Stunden in den Schatten zu legen.
Man merkt mehr und mehr dass ich im Süden angekommen bin, die Landschaft erinnert mich stark an Sardinien und Teile Spaniens. Weniger Felder, dafür mehr Wiesen auf denen immer grössere Teile von kargen Felsen bedeckt sind.
Morgen geht's durch Oklahoma City, und danach bin ich praktisch schon auf halbem weg nach Texas. Für den Moment bin ich aber mit ner ordentlichen Mütze Schlaf zufrieden.

Thursday, July 10, 2014

Tag 31: Nass und kalt

http://youtu.be/hziG9Nr6KHU

Heute war das genaue Gegenteil von gestern, ehrlich gesagt kann ich mich an keinen schlimmeren Tag als diesen auf meinen reisen erinnern.
Als ich aufwachte war es draußen schon am gewittern, und ein schneller Check zeigte, dass das nur der Anfang einer sturmfront war, welche bis 17 uhr über dieses Gebiet fegen würde. Ich konnte es also nicht wieder aussitzen, sondern musste quer durchs Gewitter. Innerhalb von Sekunden war ich nass bis auf die Knochen, doch die eigentliche Schwierigkeit war warm zu bleiben. Ich blieb in Bewegung und dachte dass es gehen würde, doch der Sturm wurde schlimmer und schlimmer, bis ich gezwungen war im erstbesten Gebäude Schutz zu suchen. Vorher musste ich jedoch über eine Brücke, die über ein kleines Tal verlief. Es ist verdammt furchteinflössend wenn man am höchsten Punkt in mehreren hundert Metern Umkreis ist, um einen herum Blitz und Donner, und man sitzt auf einem stählernen fahrradförmigen Blitzableiter. Ich sah zu dass ich Land gewann und fand schließlich einen McDonalds, in dem ich etwas aß und vor mich hin tropfte bis das Wetter nach 2 Stunden besser wurde.
Als der Regen nachließ zog ich weiter. Natürlich zog sich in weniger als 5 Minuten wieder alles zu, es blitzte und schüttete wie aus Eimern. Da meine Muskeln nach 2 Stunden ruhe kalt waren, und mein Blut wegen dem essen in meinem Magen anstatt in den Beinen war, wurde ich von der erneuten kalten dusche so sehr abgekühlt dass ich fast ohnmächtig geworden wäre. Ich konnte nur zitternd weiterstrampeln und hoffen dass mich das soweit wärmt dass ich wach bleibe. Nach einer alptraumhaften halben Stunde klärte sich der Himmel etwas auf, ich war jedoch so kaputt dass ich es nur bis zum Stadtrand von Tulsa geschafft habe. Den Rest des Tages verbrachte ich mit essen und dösen, obwohl heute die mit Abstand kürzeste Strecke war, bin ich um einiges erschöpfter als gestern.
Ich habe leider keine Fotos, ich hatte meine Elektronik den ganzen Tag im trockenen Rucksack. Die einzige Ausnahme war mein iPod, und da dieser auf halbem Wege den Geist aufgegeben hat, war es wohl die richtige Entscheidung das Handy und die Kamera verpackt zu lassen.
Jetzt gehe ich schlafen... Man bin ich müde...

Wednesday, July 9, 2014

Tag 30: Hi Kansas, bye Kansas

http://youtu.be/ILj9axeDFdw

Heute war ein super Tag! Das Eis gestern hat wohl wahre Wunder gewirkt, da mein Bein sich praktisch wie neu angefühlt hat. Das Wetter war ideal, sonnig und windstill, was in Kombination damit, dass ich mich in den passend benannten Great Plains befinde, für einen neuen Streckenrekord gesorgt hat.
Die Route 66 verläuft nach Joplin für ein kleines Stück durch den südöstlichsten Zipfel von Kansas, und danach quer durch Oklahoma. Ich habe keine Ahnung warum die strecke so gewählt wurde, denn dieser schlenker durch Kansas ist eigentlich nur ein umweg. Ursprünglich wollte ich heute nur das gut 60 Meilen entfernte Vinita erreichen, doch als ich wegen der perfekten Konditionen schon vor 3 uhr dort war, entschied ich mich dazu weiterzufahren. Das nächste reservierbare Hotel war jedoch erst in 40 Meilen Entfernung, was heißt dass ich heute einen Century geschafft habe, knapp über 100 Meilen an einem Tag! Morgen sollte ich es also hinter Tulsa schaffen, was Oklahoma City bereits in greifbare nähe rückt.
Die Landschaft war leider ziemlich monoton, und ich habe so meine Zweifel dass das vor Texas besser wird, aber lassen wir uns überraschen. Der einzige Ort der mir in Erinnerung bleiben wird ist Afton, oder vielmehr die Leiche von Afton. Abgesehen von der Tankstelle war jedes Geschäft geschlossen, und bis auf wenige Ausnahmen war jedes Haus in der ganzen Kleinstadt am verfallen. Dieser Ort wird wahrscheinlich bald nicht mehr existieren...
So, das war's für den Moment, jetzt gibt's erstmal Pizza und dann geht's ab ins Bett!

Tuesday, July 8, 2014

Tag 29: Durch den Sommerregen

http://youtu.be/ChsFDgB0HyE

Heute wurde ich relativ unsanft geweckt: Ein schweres Gewitter zog genau über die Stadt, heftiger Regen und das gleichzeitige stattfindenden von Blitz und Donner motivierten mich, meinen Aufbruch 2 Stunden nach hinten zu verschieben.
Als es dann losging war es tatsächlich schon wieder trocken, wenn auch sehr bewölkt. Es hieß zwar, dass es bis 14 uhr weitere Gewitter geben könnte, doch die immer heller werdenden Wolken ließen mich daran zweifeln. Sicherheitshalber folgte ich jedoch einer südlicheren Parallelstrasse der Route 66, da auf der richtigen Route für knapp 60 Meilen kein Ort auf der Strecke liegt, und somit kein Unterschlupf falls das Wetter umschlägt.
Die Strecke führte praktisch geradeaus nach Westen, und am vormittag bot sich ein interessantes Panorama: Die Gewitterwolken waren allesamt im Süden, im Norden war der Himmel blau und beinahe wolkenlos. Ich fuhr genau an der Grenze entlang, was auch angenehm war bis der Wind umschlug und von Süden wehte. Zunächst kam nur etwas regen von der Seite, danach wurden die dunklen Wolken genau über meinen Weg geschoben. Ich ging davon aus, dass es bei Regen bleiben würde, doch dann sah ich in wenigen Meilen vor mir Blitze. Ich entschied mich dazu mich zu beeilen, da ich mitten in der Pampa war, und durch warten nur noch mehr Wolken zu mir kamen. Bis Mittag hatte ich es durch das Gewitter geschafft, und die Wolken verzogen sich fast vollständig. Das Ergebnis war eine schwüle Hitze, doch das war mir in dem Moment auch recht.
Da die Landschaft inzwischen praktisch hügelfrei war ging ich davon aus schnell und bequem ins Ziel zu kommen, doch auf den letzten Meilen meldete sich die gezerrte Wade wieder, diesmal schlimmer als zuvor. Etwas Eis und Ruhe brachten schnelle Linderung, morgen sollte ich aber trotzdem besser wieder etwas kürzer treten.
Tja, heute vor vier Wochen bin ich aufgebrochen. Es ist seltsam, einerseits verging die Zeit sehr schnell, ich habe wirklich nicht das Gefühl dass es schon so lange her ist. Andererseits erinnere ich mich an viele Dinge aus den ersten Tagen so, als ob sie vor Ewigkeiten geschehen wären.
Und dabei ist anzumerken, dass ich noch nicht einmal die Hälfte der Strecke hinter mir habe... Aber das ändert sich hoffentlich in den nächsten paar Tagen. Jetzt gönne ich mir erstmal wieder etwas Ruhe.

Monday, July 7, 2014

Tag 28: Wieder in Springfield

http://youtu.be/oUCfq6VXbvc

Heute habe ich mir nach den Beschwerden von gestern eine eher kleine Strecke vorgenommen. Mit knapp 60 Meilen war Springfield deutlich näher als die Ziele der letzten Tage.
Bereits beim Aufstehen merkte ich zu meiner großen Erleichterung dass es meiner Wade schon wieder deutlich besser ging als gestern. Nichtsdestotrotz entschied ich mich sie weiter zu schonen, was ironischerweise mein linkes Bein mehr belastete.
Der Streckenverlauf heute war ziemlich malerisch, die Hügel waren sanfter, und die langsam immer gelber werdenden Wiesen sorgen für ein richtiges Prärie-feeling. Tatsächlich bin ich seit Chicago ein ganzes Stück in Richtung Süden gekommen, meine Reise verläuft fürs erste praktisch nur noch nach Westen.
Auch wenn meine Wade gegen Ende wieder anfing zu zwicken, erreichte ich Springfield früh und ohne größere Probleme. Ich denke momentan häufig darüber nach mir hier irgendwo eine Badehose zu besorgen, die meisten Hotels hier haben einen winzigen Pool, und es wäre vielleicht ganz nett an einem "kurzen" Tag wie heute ein wenig planschen zu gehen. Ausserdem (und wird noch ne ganze Weile dauern) soll es in Kalifornien auch ein paar sehenswerte Strände geben.
Fürs erste teste ich erstmal weiter die drölf Monster-Varianten die es in Deutschland nicht gibt. Keine Sorge, irgendwann werde ich schon aufhören mich aus Langeweile mit ungesundem Zeug vollzustopfen... aber nicht heute!

Sunday, July 6, 2014

Tag 27: Von Cuba nach Lebanon

http://youtu.be/hKH84YGD-18

Heute war anstrengender als ich dachte, und das will was heißen, denn ich bin von einem harten Tag ausgegangen.
Mein Ziel war Lebanon, welches ziemlich genau 90 Meilen weit weg war. Ich stand früh auf, frühstückte schnell und war bereits um 7 auf der Straße. Ich hoffte dass es heute weniger hügelig werden würde als gestern, aber auch wenn es anfangs gut aussah musste ich sehr schnell feststellen, dass es noch schlimmer war.
Das eigentliche Problem waren jedoch kontinuierlich steigernde schmerzen in meiner linken Wade, welche nach den ersten 30 Meilen auftraten. Ich dachte zunächst es wäre nur ein Krampf, aber es ist wohl wirklich eine Zerrung. Ich biss mich nach Waynesville durch und dachte ernsthaft darüber nach es für heute gut sein zu lassen, doch dann schaute ich auf die uhr und sah, dass es gerade mal 13 uhr waren. Da ich ziemlich stur und nicht besonders intelligent bin zog ich also weiter. Ich gab mir große Mühe eine Stellung zu finden welche die Wade nicht belastet, und anscheinend hatte ich mehr oder weniger Erfolg, denn die schmerzen wurden zumindest nicht schlimmer.
Ich erreichte Lebanon ziemlich spät und am Rande des Zusammenbruchs, doch nach einer ausgedehnten Mahlzeit ging es direkt etwas besser. Mein rechtes Bein ist immernoch ein schmerzender Klotz, und falls der Verdacht der Zerrung sich morgen erhärtet würde mich das wohl etwas abbremsen. Laut Google dauert es eine Woche bis das abklingt, und man sollte 2 Tage keinen Sport machen... Ähm, nein, ich denke ich werde trotzdem erstmal einfach weiterziehen, noch ist die Situation einigermaßen erträglich (ich verweise nochmal auf den Teil mit "stur und nicht besonders intelligent")..Ich werde aber Ausschau nach etwas Salbe oder ähnlichem halten.
Morgen geht's nur nach Springfield, knappe 60 Meilen, also sollte zumindest das entspannt werden. Und jetzt wird erstmal ausgeschlafen, schaden wird das auch nicht.

Saturday, July 5, 2014

Tag 26: Mehr Hügel?!

http://youtu.be/qoB5ahJvjTk

Heute war ein Tag an dem ich mir relativ viel vorgenommen hatte. Ich wollte ins 80 Meilen entfernte Cuba, und ich wusste dass es hügeliger werden würde als die Ebenen der letzten paar Tage. Wie hügelig jedoch, dass hatte ich unterschätzt.
Ich wollte etwas früher aufstehen als sonst, doch es ist mir nicht wirklich gelungen. Da das hotel kein Frühstück anbot ging ich erstmal zum Cracker Barrel um die Ecke und aß ziemlich herzhaft. Ich traf auch den freundlichen alten Mann von gestern wieder und bedankte mich für das Essen.
Dann ging es los, und schon nach kurzer Zeit fand ich mich in hügeln wie in Indiana wieder. Es gab sogar felsformationen und Höhlen! Bitte versteht meinen Schock, mir wurde einst gesagt dass es nach der eastern continental divide immer flacher werden würde, bis man dann irgendwann auf die Rocky Mountains trifft, und nach den riesigen Ebenen war ich auch bereit das zu glauben. Naja, soviel dazu.
Im laufe des Tages wurden die Hügel jedoch immer flacher und breiter, und wenn der Trend so bleibt bin ich vielleicht schon morgen wieder im Flachland. Ansonsten war der heutige Tag recht ereignislos, ich bin entweder (leise vor mich hin fluchend) hügel hoch gegangen oder breit grinsend mit 50 bis 60 Sachen die Abfahrten runtergesaust.
Ich erreichte Cuba etwas später als gedacht, aber immernoch im Rahmen.
Jetzt gibt's erstmal schnell Abendessen, und dann ist auch schon Schlafenszeit.

PS: Nein, Castro habe ich nicht gesehen