Heute war, wie erwartet, der härteste Tag dieser Reise (und rückblickend auch einer meiner härtesten Reisetage allgemein). Es ging um viertel vor 8 los in Richtung Simplon, der Weg war zunächst gut zu bewältigen, es ging mit milder Steigung bergauf, dem Tal des Flusses Diveria folgend. Die Temperaturen waren frisch, aber gut auszuhalten, sobald die Sonne ins Tal schien war es sogar angenehm warm.
Zwischenzeitlich überschritt ich auch die Grenze zur Schweiz. Nach einer Weile war die Steigung aber doch zu steil, und ich musste phasenweise immer häufiger schieben. Als Resultat kam ich dementsprechend immer langsamer voran. So langsam, dass ich das kleine Dorf Simplon erst nach 5 Stunden erreichte, kurz vor 1 Uhr.
Aber Simplon ist nicht der Simplonpass, es fehlten noch knapp 600 Höhenmeter, sodass ich die Spitze (markiert durch einen steinernen Adler, lange Geschichte) erst kurz nach 15 Uhr erreichte. Inzwischen war ich so weit oben, dass es praktisch keine Bäume mehr gab und an manchen Gipfeln Eis zu erkennen war.
Von meinem Wunschziel Leukerbad trennten mich an diesem Punkt immernoch knapp 65 km. Klar, das beinhaltet die Abfahrt nach Brig-Glis, und 30 km die es einfach das Rhonetal runter ging, aber dann fehlen immer noch 15 km und 800 Höhenmeter bis nach Leukerbad.
Die einfache Lösung wäre, in Brig-Glis zu verweilen. Der Tag war anstrengend genug, und bis ich dort war wären es sicher schon 16 Uhr, was eine gute Ankunftszeit ist und Erholung für den Gemmipass morgen bedeuten würde. Andererseits ist Leukerbad technisch gesehen noch nichts außer Reichweite, was den Pass morgen etwas vereinfachen würde.
Solange ich es also vor 16 Uhr nach Brig-Glis schaffe, würde ich mich an Leukerbad versuchen. Ich wechselte also den Gang und sah zu, so schnell wie möglich ins Rhone-Tal zu kommen. Gut 20 km in unter 30 Minuten später war ich in Brig-Glis, 15:45 Uhr. Also dann auf nach Leukerbad! Etwas überspitzt gesagt sollte das auch besser klappen, denn zwischen Brig-Glis und Leukerbad war die Unterkunfts-Situation eher mäßig.
Ich fuhr verhältnismäßig schnell das Tal entlang (was ein aufkommender Gegenwind nicht gerade leichter machte) und stoppte nur kurz zwischen, um meine beim Aufstieg dezimierten Vorräte aufzustocken. Gegen 18 Uhr war ich in Leuk, die Sonne war schon nah an den Bergspitzen, aber es fehlten nur noch 13 km... und 800 Höhenmeter. Die Anstrengungen der letzten Tage und besonders dieses Tages machten sich inzwischen bemerkbar, aber ich begann den Aufstieg.
Es wurde schnell dunkel, und die Serpentinen kombiniert mit meinen leeren Batterien sorgten dafür, dass ich mein Fahrrad bald in kompletter Finsternis die Berge hochschob.
Zwischendurch hielten mehrere hilfsbereite Schweizer an, aber mit einer Ausnahme lehnte ich dankend ab. Die Ausnahme bestand darin, das ein kleines Stück vor mir bald die Straße wegen Bauarbeiten abgeriegelt werden sollte, um Punkt 20 Uhr, und wir hatten 10 vor. So wurde ich kurzfristig einen Kilometer mitgenommen, bis hinter die Baustelle. Danach flachte der Weg zum Glück etwas ab, sodass ich mein Ziel um 20:30 Uhr erreichte. Einen Burger und eine Dusche später bin ich bereit fürs Bett.
Morgen geht es den Gemmipass hinauf, und dann Richtung Spiez. Ab dort geht es erstmal bergab Richtung Bern und ich kann die Alpen hinter mir lassen. Voraussetzung ist nur, dass meine Beine nach diesem Tag morgen noch funktionieren.