Heute war der letzte Tag dieser Reise. Die letzten Tage steckten mir noch ein wenig in den Knochen, aber dank der Vorarbeit der letzten Tage konnte ich es zum Glück etwas langsamer angehen lassen.
Nach einem verhältnismäßig großen Frühstück ging es um halb 9 los. Nach einem Schlenker durch die Darmstädter Innenstadt (Im hessischen Landesmuseum ist gerade eine Ausstellung über Drachen) ging es in den Herrngarten und dann Richtung Norden aus der Stadt.
Das Wetter war frisch, leicht bewölkt, aber sonnig. Es ging durch Egelsbach, Langen und Dreieich, dann erreichte ich den frankfurter Stadtwald.
Wirkliche Ruhe kam hier aber nicht auf, da die Einflugschneise des frankfurter Flughafens direkt darüber verläuft. Danach war ich schnell mitten im Zentrum Frankfurts, der Weg führte über den Main und durch die Konstablerwache. Inzwischen war es sogar relativ warm, was mich etwas ins Schwitzen brachte.
Es ging parallel zur A5 weiter nach Norden, während es stetig immer windiger wurde. Keine gute Kombination wenn man nass geschwitzt ist.
Die Route ging über Feldwege und eher zwischen den Orten hindurch, erst bei Butzbach wechselte ich wieder auf asphaltierten Boden.
Hier zog es sich kurz zu und es fielen sogar ein paar Regentropfen, aber es hielt nicht lange an. Ich schlängelte mich durch Langgöns und Linden, was mich nach kurzer Zeit auf die gewohnte Frankfurter Straße führte. Der Himmel war inzwischen aufgeklärt und (fast) wolkenlos. Ich erreichte das Elefantenklo in Gießen gegen 17 Uhr, weniger später den Berliner Platz und kurz darauf mein Zuhause.
Und so endet die inzwischen elfte Radreise, mit (laut meinem Tacho) 1667 verfahrenen Kilometern.
Heute war ein auf eine gewisse Art altmodischer Tag. Ironischerweise ist es schon eine ganze Weile her, dass ich durch Deutschland getourt bin, aber der Reflex, die kleinen grünen Fahrradwegweiser zu erkennen funktioniert noch einwandfrei.
Somit nutzte ich Google Maps heute deutlich weniger, sondern hangelte mich an den Radwegen entlang von Ort zu Ort.
Als erstes wurde Karlsruhe angesteuert, es ging um kurz nach 8 los und der Himmel war überraschend klar. Ich sah sogar kurz die Sonne, zum ersten und letzten Mal heute.
Trotz der frischen Herbstluft erreichteich die Karlsruhe recht schnell. Ich nahm einen kleinen Umweg durchs Zentrum, die Fußgängerzone wirkte schön, aber morgens war noch wenig los. Das Schloss Karlsruhe war hingegen schon etwas belebter.
Ich fuhr drumherum in den Schlossgarten, dort auf die Grabener Allee und dann ging es eine ganze Weile geradeaus durch den Wald.
Ab Graben-Neudorf ging es dann auf Radwegen zwischen Feldern nach Waghäusel und dann Hockenheim. Der Weg führte sogar am Hockenheimring vorbei, wo dieses Wochenende wohl ein größeres DTM Event stattfindet. Ich wuselte durch die Mengen und hörte ein paar Rennwagen vorbeirauschen, aber die Sichtlinien waren alle blockiert. Es fing auch an leicht zu regnen, aber eher wie vorgestern, also leicht zu ignorieren.
Dann ging es weiter Richtung Ladenburg, hier fing der richtige Regen an. Ein Blick auf den Regenradar zeigte aber, dass es "nur" eine gute Stunde regnen würde, was sich auch bewahrheitete. Ich war schon etwas dicker eingepackt, daher sah ich davon ab, die volle Regenausrüstung anzulegen. Bei Weinheim ließ es wieder nach, und ab hier konnte ich auf die B3 aufschließen und der Bundesstraße einfach nach Norden folgen. Durch die Umwege und den Regen war ich aber etwas im Verzug.
Ich erreichte Bensheim um kurz vor 6, da es inzwischen aber trocken war und ein guter Rückenwind aufzog, entschloss mich aber noch den Weg nach Darmstadt durchzuziehen und fuhr noch eine gute Stunde weiter. Um kurz nach 7, bei Wind, leichtem Regen und ziemlich fortgeschrittener Dunkelheit erreichte ich meine Unterkunft in Darmstadt. Nach einer erholsamen Dusche gab es ein mexikanisches Steak zum Abendessen.
Damit bin ich jetzt wieder zurück in Hessen, morgen geht es in die letzte Runde. Es fehlen etwas unter 100 km bis Gießen, der Weg führt durch Frankfurt und ist sogar (im Verhältnis zu den letzten Tagen) etwas hügelig.
Heute wurde ich vom Karma eingeholt. Zum Ausgleich für fast zwei Wochen ohne Regen gab es heute fast nichts anderes. Und das, obwohl ich jeden Tag brav meinen Teller leer mache!
Das Nieseln von gestern setzte sich über die Nacht fort, auch als ich aufwachte war es draußen noch am Tropfen. Als ich aufbrach war es schon stärker, aber dank Regenjacke und Schutzhülle für den Rucksack war ich einigermaßen vorbereitet. Ein Blick auf den Regenradar zeigte, dass keine Besserung in Sicht war.
Ja, das sind alles Regenwolken, und ja, sie zogen nach Nord-Nordosten, also mit mir mit.
Der Weg führte recht schnell an den Ancien Canal du Rhone au Rhin, dem ich bis Straßburg folgen würde. Jedoch wurde der Regen stetig schlimmer. Bereits um 9 war ich völlig durchnässt, aber es wurde nur noch mehr. Da ich mein Handy mit nassen Händen nicht bedienen konnte, schaltete ich unter einer Brücke auf einen 4-stündigen Podcast und verstaute es in einer Satteltasche.
Der Weg am Kanal war leider nicht asphaltiert, was zusammen mit dem Regen in ziemlich versautem Equipment resultierte. Zusätzlich war ein Teil der Strecke wegen Holzarbeiten gesperrt, sodass ich auf Feldwege ausweichen musste. Die Umleitung war nicht beschildert, aber mein innerer Kompass war zum Glück gut genug, um mich wieder zurück zur richtigen Route zu führen.
Gegen halb 1 ließ der Regen langsam nach, so dass meine Sachen langsam anfingen im kühlen Herbstwind zu trocknen. Speyer war an diesem Punkt schon unerreichbar, aber vielleicht war Wörth am Rhein noch drin.
Gegen 14 Uhr war ich am Rand von Straßburg. Gegeben dem Wetter, meinem durchnässten Zustand und dem Fakt, dass ich schon öfters in der Stadt war, entschied ich mich gegen einen Abstecher nach Petit France und überquerte den Rhein nach Kehl. Dies war zudem die letzte Landesgrenze der Reise, ab jetzt bin und bleibe ich wieder in Deutschland.
Ab jetzt ging es rechtsrheinig den Fluss entlang nach Norden, und die Nachmittagsstunden gingen vorbei. Gegen 5 hatte der Regen so lange aufgehört, dass ich fast wieder trocken war. Es war inzwischen recht windig geworden, meist von der Seite, aber teils auch Rückenwind. Doch es war leider absehbar, dass Wörth kein realistisches Ziel mehr war, also steuerte ich das eine Stunde entfernte Rastatt an.
Ich sah kurz ein bisschen blau am Himmel, doch dann kamen ein paar Tropfen hinunter. Und noch ein paar. Und noch mehr. Es schüttete nochmal eine halbe Stunde, sodass ich mein Ziel nicht trocken, sondern wieder klatschnass erreichte. Zwischendurch blockierte ein umgestürzter Baum meinen Weg, sodass ich wieder einen kleinen Umweg fahren musste. In den letzten 10 Minuten zeigte sich sogar wirklich wieder kurz die Abendsonne, was aber auch nicht mehr viel veränderte.
Nach einer langen, warmen Dusche und dem aufhängen meiner gesamten Ausrüstung war ich bereit fürs Abendessen, heute ein Holzfällersteak.
Jetzt bin ich noch ungefähr 240 km von Gießen entfernt, zu viel für einen Tag, aber in zwei Etappen gut machbar (solange meine Schuhe bald trocken sind, ich mich nicht erkältet habe und das Wetter von heute sich nicht wiederholt, versteht sich). Auch wenn Rastatt nicht mein eigentliches Ziel war, sind 125 km an einem Tag wie heute auch nicht allzu schlecht. Morgen werde ich erstmal Bensheim ansteuern, mal schauen wie das laufen wird.
Heute liefen die Dinge besser als erwartet. Ich brach kurz nach 8 in Burgdorf auf, das erste größere Ziel des Tages war Basel. Zunächst ging die Landschaft so weiter wie gestern, Hügel mit Wiesen und Kühen. Durch die Hügel war ich anfangs oft im Schatten, was an einem Oktobermorgen doch etwas frisch war.
Über Herzogenbuchsee und Niederbipp ging es nach Balsthal, ab dort war eine kleinere Gebirgskette vor mir zu erkennen. Dies war praktisch der letzte größere Anstieg der Reise, danach geht es mit kleinen Ausnahmen praktisch nur bergab oder bleibt flach. Ich schaffte es überraschend gut darüber, (fast) ohne zu schieben. Dabei sah ich die Ruinen vom Schloss Neu-Falkenstein.
Danach ging es bis Basel größtenteils abwärts, über einen Park erreichte ich gegen 14 Uhr die Innenstadt (von Groß-Basel um genau zu sein).
Einen kurzen Gang durch die Fußgängerzone und ein Fischbrötchen später sah ich endlich den Rhein. Auch wenn mein Weg nicht jede Windung mitnimmt, ist es irgendwie beruhigend, dass ich dem Fluss praktisch bis nach Hause folgen könnte.
Es ging ein Stück den Rhein entlang, dann kam schon der Grenzübergang nach Frankreich. Es hatte sich über den Tag mehr und mehr zugezogen, und fast wie abgesprochen fing es ab Frankreich an zu nieseln, was sich bis in den Abend so fortsetzte. Es war zum Glück zu wenig Regen, um einen Garderobenwechsel zu rechtfertigen (und der erste Regen auf dieser Reise).
Ein wenig später ging es vom Rhein weg, den Canal de Huningue entlang. Hier musste ich mich entscheiden, wie weit ich heute noch fahren wollte. Da es flach war, hatte ich ein gutes Tempo, also entschied ich mich für Neuf-Brisach als Ziel.
Ab Kembs ging es dann weg vom Kanal, landinwärts durch Maisfelder. Trotz leichtem Regen und Wind konnte ich das Tempo gut halten und war gegen 18 Uhr am Ziel. Gar nicht mal so schlecht für knapp 150 km. Die Stadt Neuf-Brisach selbst ist übrigens eine achteckige, befestigte Planstadt, echt interessant sowohl auf der Landkarte als auch live. Zum Abendessen gab es einen Grillteller.
Dadurch, dass ich wieder etwas schneller war als geplant, sind meine geplanten Etappenziele nicht mehr sinnvoll. Daher werde ich morgen in die Richtung von Speyer losfahren und einfach schauen wie weit ich komme. Einerseits ist und bleibt es flach, andererseits ist für morgen jede Menge Regen gemeldet.
Heute war ein etwas ungewöhnlicher Tag. Nach der Anstrengung von gestern schlief ich ein wenig länger und brach erst um halb 9 auf. Der erste Schritt war der Aufstieg zum Gemmipass, also ging es in den nördlichen Rand der Stadt. Dabei passierte ich auch einen Brunnen mit dem lokalen Wasser, 51 Grad heiß. Vielleicht sollte ich doch irgendwann mal zurück kommen und die Thermen testen.
Am Stadtrand stand ich vor einer riesigen Felswand, es war kein Weg oder Pfad erkennbar. Auch beim näherkommen sah ich nichts. Ein paar Wanderer stoppten mich jedoch und rieten mir nachdrücklich davon ab, mein Fahrrad den engen, steilen (und unscheinbaren) Pfad hochzuwuchten. Ich hatte mich zwar besser von gestern erholt als erwartet, aber ich war definitiv noch nicht wieder bei 100 Prozent. Das Risiko, mit dem Fahrrad an der Felswand stecken zu bleiben war mir letztlich zu hoch, also nahm ich (mit leichtem Widerwillen) die Seilbahn zum Gipfel.
Dort oben waren wieder Gletscher sichtbar, und in den Schatten sah ich teils auch etwas Frost. Die Wege waren felsig, was für Wanderer weniger problematisch ist, für mich aber einiges an Schieben bedeutete. Anfangs war es sehr karg, aber es wurde stetig grüner, auch Bäume tauchten wieder auf.
Zwischendurch wurden die Abschnitte zum Glück befahrbarer, bis es schließlich zum Weg die Nordseite hinab ging. Auch hier windete sich ein steiler Fußweg den Berg hoch, so steil, dass ich auch hier viel schieben musste. Spätestens jetzt war ich sicher, dass die Seilbahn die richtige Entscheidung war.
Als ich Kandersteg erreichte, waren die Straßen zum Glück wieder asphaltiert, was in Kombination mit einem anhaltenden Bergabfahren für ein gutes Tempo sorgte. Bei Spiez am Thunersee merkte ich jedoch, dass die Bergpfade mir nach einem Tag wie gestern doch etwas an die Substanz gegangen sind.
Zusätzlich fiel mir auf, dass zum ersten mal seit Tagen keine neuen Berggipfel mehr am Horizont auftauchten. Nachdem ich dem Fluss Aare bis Rubigen folgte, gab es praktisch nur noch leichte Hügel. Hier ist auf jeden Fall Viehzucht das Programm, jeder Hügel war voller Wissen und jede Wiese war voller Kühe. Außerdem sah ich einen Gelbstich in den Laubbäumen, der Herbst kommt langsam doch.
Anstatt weiter geradeaus nach Bern zu fahren, bog ich nach rechts in Richtung Nordosten ab und erreichte schließlich meine Unterkunft im Örtchen Burgdorf um kurz nach 5.
Mein Fluch schlug wieder zu, das gewählte Restaurant hat genau ab heute Betriebsferien, also wich ich kurzerhand auf einen Dönerteller aus.
Morgen geht es weiter nach Basel, vorher kommt noch der letzte "richtige" Berg dieser Reise, mit guten 600 Höhenmetern Anstieg. Je nachdem wie gut ich das packe, geht es vielleicht auch noch nach Mülhausen. In jedem Fall sind die Alpen jetzt hinter mir. Das verändert alles.