Sunday, October 4, 2026

Tag 10: In die Berge

Writ in Water



Heute war ein landschaftlich sehr abwechslungsreicher Tag, es ging mit einer Ebene los, dann an einem See entlang und endete in den Bergen.

Ich startete etwas nach Sonnenaufgang, gegen viertel vor 8 in Mortara. Die Temperaturen waren so frisch, dass ich meinen Atem sehen konnte, 20 Grad kälter als vorgestern auf Sardinien. Zum Glück wurde es über den Tag hinweg kontinuierlich wärmer, später war es angenehm warm.

Der erste Abschnitt der Strecke schloss nahtlos da an, wo es gestern aufgehört hatte, Felder, Dörfer und flacher Boden, sodass ich gut voran kam.


Ich erreichte Novara bereits kurz vor 10 Uhr, Borgomanero gegen 12. Hier begannen sich bereits bergspitzen am diesigen Horizont abzuzeichnen, die Alpen kamen näher. Kurze Zeit später ging es eine Abfahrt herunter, und ich fand mich am malerischen Lago d'Orta wieder. 


Ich fuhr an der Ostküste des Sees entlang, bis ich schließlich in Omegna an der nördlichen Spitze ankam. Ein sehr schönes Städtchen, das mich irgendwie ein wenig an Straßburg erinnerte. Ab hier war ich schon von kleineren Bergen umgeben, im Norden zeichneten sich aber kontinuierlich größere Gipfel ab.


Zum Glück hatte dies aber noch keinen Einfluss auf das Höhenprofil der Strecke, da ich mich entlang dem Fluss Toce durch ein Tal bewegte. Die Atmosphäre war inzwischen definitiv alpiner, die Architektur der Gebäude hier hebt sich deutlich davon ab, was ich bisher in Italien gesehen habe.

Ich erreichte Preglia bei Domodossola, wo sich meine heutige Unterkunft befindet, gegen 17 Uhr. An und für sich eine gute Zeit für knapp 125 km, und vielleicht wäre auch noch mehr drin gewesen, aber die Kombination aus Geographie und Infrastruktur lässt mir keine Optionen. 


Nach Domodossola beginnt der Simplonpass, es geht auf 2000m hoch, und vor dem Dorf Simplon in 30 km Entfernung gibt es weder Supermärkte noch realistische Unterkünfte. Dementsprechend nutzte ich die Zeit zum Aufstocken und Ausruhen, denn morgen wird wahrscheinlich der härteste Tag der Tour. Das Wunschziel ist Leukerbad, aber das ist mit 3000 Höhenmetern Anstieg verbunden.



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Saturday, October 3, 2026

Tag 9: Abschied vom Meer

Kingdom Valley



Heute begann die zweite Hälfte der Reise, wenn auch etwas verzögert. Planmäßig waren 11 Stunden Reisezeit auf der Fähre geplan, was einer Ankunft um 7:30 Uhr morgens entspräche. Dies wurde mir auf Nachfrage auch unter Vorbehalt bestätigt, weswegen ich nicht überrascht war, als bereits um halb 7 Durchsagen kamen, dass die Kabinen zu räumen sind. Ich packte meine Sachen zusammen und stand um kurz nach 7 mit gepackten Sachen im Flur, man durfte noch nicht in die Garagen. Und so stand ich da, und stand ich da, während die Zeit verging und der Bereich sich mit Menschen und deren Gepäck füllte. Letztlich konnte ich erst um kurz vor 9 das Schiff verlassen.


Ich sah schnell den großen Leuchtturm von Genua, bevor ich mich auf den Weg durch die Stadt machte. Der Hafenbereich ist definitiv nicht für Radfahrer gedacht, die Straßen führten auf die Autobahn und die Fußwege gingen Treppen hoch, letzteres war das geringere Übel.

Der Verkehr in der Stadt war ebenfalls nicht ohne, aber ich konnte mich relativ schnell parallel zum Fluss Polcevera einordnen und dem Tal folgen. Auch wenn ich nach einer Weile aus Genua raus war, fühlte es sich nicht so an, da die Gebäude einfach nie aufhören wollten. San Quirico oder Ponte Decimo fühlten sich nicht nach anderen Orten an.

Irgendwann kamen aber doch Lücken zwischen den Gebäuden und eine schöne, grüne, hügelige Landschaft tat sich auf. Es ging erst leicht, dann aber Ponterosso etwas steiler bergauf, sodass ich doch eine Weile schieben musste.

Viele der Gebäude hier waren richtige Anwesen und Villen, manche jedoch leider halb verfallen. Nach einer Weile schaffte ich es aber zum Zenit, ab da ging es bergab (nicht metaphorisch!).

Nach einer Weile hörten auch die Hügel auf, und ich fand mich in den Ebenen der Lombardei wieder. Es war bereits nachmittag, also konnte ich inzwischen einen Zielort abschätzen. Der spätere Start und ein gewisses Zwicken in meiner linken Wade schränkten meine Reichweite etwas ein, aber der restliche Weg war flach, also entschloss ich mich Mortara anzusteuern.

Das sind etwas über 40km weiter als mein ursprüngliches Ziel, Castelnuovo Scrivia, aber es ist schlauer jetzt die Ebenen für ein paar Bonusmeilen zu nutzen, so habe ich ab übermorgen in den Alpen auch etwas mehr Toleranz. 

Der Weg in der Ebene ging durch Äcker und Bauerndörfer, ich sah einige Mähdrescher, aber auch ein paar Tiere wie Störche und eine Nutria.

Supermärkte waren rar, aber in Mortara gab es zum Glück einen Penny, also konnte ich für morgen wieder aufstocken. Ich erreichte meine Unterkunft ziemlich genau um 18 Uhr, was bei über 120 km, einigen Hügeln und einem verspäteten Start gar nicht mal so schlecht ist. Als Stärkung gab es zum Abendessen noch eine Portion Spaghetti Carbonara.


Morgen versuche ich Domodossola anzusteuern, die Distanz ist vergleichbar mit heute, aber das Gelände ist angeblich durchgehend flach. Solange ich mich also heute Nacht gut erhole, sollte ich morgen bereits die Voralpen zu Gesicht bekommen.


Friday, October 2, 2026

Tag 8: Aufbruchstimmung

BB's Theme



Heute war der letzte Tag auf Sardinien, es ging von Bosa über Alghero nach Porto Torres, und dort auf eine Fähre Richtung Festland. 

Da ich diesmal also ein Zeitlimit hatte und für potentielle Problemen wie platte Reifen genug Puffer haben wollte, startete ich um 7:30 Uhr, kurz nach Sonnenaufgang. Davon war wegen der Wolkendecke jedoch nicht allzu viel zu sehen.

Die Strecke nach Alghero war eine äußerst hügelige Küstenstraße, ohne Orte oder mögliche Zwischenstops. Der erste richtige Hügel war direkt der höchste, was mich durch den Mangel an Frühstück heute aber stärker ausbremste als erwartet. 

Dadurch wiederum kam ich mit einer Gruppe von drei radwandernden Senioren in Kontakt, die ich bis zum Mittagessen in Alghero begleitete. Allgemein habe ich heute, zwischen Bosa und Alghero mehr Radwanderer gesehen als an jedem anderen Tag der Reise. Zusätzlich kamen uns jede Menge Enten (die Autos, nicht die Tiere) und einige Sportwagen entgegen. 

Die Hügel wurden nach Alghero hin immer kleiner, sodass ich um kurz vor 1 Uhr in der Stadt war. Nach einem Schlenker durch die Altstadt gab es zum Mittagessen eine Focaccia oder zwei in der örtlichen Focacceria des Vertrauens, von der ich auch meine australischen Begleiter überzeugen konnte. Direkt vor uns war auch der Grund für die vielen Autofahrer: Vom 1. bis 4. August findet in und um Alghero eine große Rallye statt.

Nach einem leckeren Essen und ein paar guten Gesprächen ging es gegen 14 Uhr weiter Richtung Porto Torres. Uch folgte der SP42 landinwärts direkt nach Norden. Zum Glück war der Weg ab hier praktisch flach, und ich erreichte Porto Torres kurz nach 16 Uhr. Ich sah bereits das Schiff (und wie es beladen wurde), musste aber vorher noch meine Vorräte für morgen auffrischen, da sowohl Wasser als auch Müsliriegel mir inzwischen praktisch ausgegangen waren. Es ging also kurz durch die Innenstadt zum nächstgelegenen Lidl, danach machte ich kehrt und checkte gegen 17 Uhr für das Schiff ein.

Dummerweise konnte ich aber (im Gegensatz zu den Frachttransporten) noch nicht an Bord. Die gute Stunde Wartezeit konnte ich aber gut zur Nach- und Vorbereitung nutzen.

Da das Schiff um 20:30 Uhr ablegt, wird ein Teil des Blogs (vor allem das Video) morgen nachgereicht.


Und so endet diesmal die Zeit auf Sardinien.  Ab morgen bin ich auf dem Festland und die zweite Hälfte der Reise beginnt. In jedem Fall wird es einen Szenenwechsel geben, dabei habe ich mich ganz gut an das Klima und die Gegebenheiten hier gewohnt. Morgen geht es dann ab Genua weiter, das vorläufige Ziel ist Castelnuovo Scrivia.