Thursday, October 8, 2026

Tag 14: Ausgebremst

Storm Rising



Heute wurde ich vom Karma eingeholt. Zum Ausgleich für fast zwei Wochen ohne Regen gab es heute fast nichts anderes. Und das, obwohl ich jeden Tag brav meinen Teller leer mache!

Das Nieseln von gestern setzte sich über die Nacht fort, auch als ich aufwachte war es draußen noch am Tropfen. Als ich aufbrach war es schon stärker, aber dank Regenjacke und Schutzhülle für den Rucksack war ich einigermaßen vorbereitet. Ein Blick auf den Regenradar zeigte, dass keine Besserung in Sicht war.

Ja, das sind alles Regenwolken, und ja, sie zogen nach Nord-Nordosten, also mit mir mit. 

Der Weg führte recht schnell an den Ancien Canal du Rhone au Rhin, dem ich bis Straßburg folgen würde. Jedoch wurde der Regen stetig schlimmer. Bereits um 9 war ich völlig durchnässt, aber es wurde nur noch mehr. Da ich mein Handy mit nassen Händen nicht bedienen konnte, schaltete ich unter einer Brücke auf einen 4-stündigen Podcast und verstaute es in einer Satteltasche. 


Der Weg am Kanal war leider nicht asphaltiert, was zusammen mit dem Regen in ziemlich versautem Equipment resultierte. Zusätzlich war ein Teil der Strecke wegen Holzarbeiten gesperrt, sodass ich auf Feldwege ausweichen musste. Die Umleitung war nicht beschildert, aber mein innerer Kompass war zum Glück gut genug, um mich wieder zurück zur richtigen Route zu führen. 

Gegen halb 1 ließ der Regen langsam nach, so dass meine Sachen langsam anfingen im kühlen Herbstwind zu trocknen. Speyer war an diesem Punkt schon unerreichbar, aber vielleicht war Wörth am Rhein noch drin.

Gegen 14 Uhr war ich am Rand von Straßburg. Gegeben dem Wetter, meinem durchnässten Zustand und dem Fakt, dass ich schon öfters in der Stadt war, entschied ich mich gegen einen Abstecher nach Petit France und überquerte den Rhein nach Kehl. Dies war zudem die letzte Landesgrenze der Reise, ab jetzt bin und bleibe ich wieder in Deutschland. 


Ab jetzt ging es rechtsrheinig den Fluss entlang nach Norden, und die Nachmittagsstunden gingen vorbei. Gegen 5 hatte der Regen so lange aufgehört, dass ich fast wieder trocken war. Es war inzwischen recht windig geworden, meist von der Seite, aber teils auch Rückenwind. Doch es war leider absehbar, dass Wörth kein realistisches Ziel mehr war, also steuerte ich das eine Stunde entfernte Rastatt an.


Ich sah kurz ein bisschen blau am Himmel, doch dann kamen ein paar Tropfen hinunter. Und noch ein paar. Und noch mehr. Es schüttete nochmal eine halbe Stunde, sodass ich mein Ziel nicht trocken, sondern wieder klatschnass erreichte. Zwischendurch blockierte ein umgestürzter Baum meinen Weg, sodass ich wieder einen kleinen Umweg fahren musste. In den letzten 10 Minuten zeigte sich sogar wirklich wieder kurz die Abendsonne, was aber auch nicht mehr viel veränderte.


Nach einer langen, warmen Dusche und dem aufhängen meiner gesamten Ausrüstung war ich bereit fürs Abendessen, heute ein Holzfällersteak.


Jetzt bin ich noch ungefähr 240 km von Gießen entfernt, zu viel für einen Tag, aber in zwei Etappen gut machbar (solange meine Schuhe bald trocken sind, ich mich nicht erkältet habe und das Wetter von heute sich nicht wiederholt, versteht sich). Auch wenn Rastatt nicht mein eigentliches Ziel war, sind 125 km an einem Tag wie heute auch nicht allzu schlecht. Morgen werde ich erstmal Bensheim ansteuern, mal schauen wie das laufen wird.


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