Thursday, March 14, 2019

Tag 12: Neues Land

Abwechslung

Heute war eine recht entspannte Fahrt, mit 75 km nicht viel länger als die gestrige, aber ohne den Zeitdruck durch irgendwelche Fähren.

Ich startete also recht gemütlich um halb 9 in den Tag, die Wettervorhersage war trocken, mit Chance auf Rückenwind. Aus Picton heraus ging es zunächst einen kleinen Hügel hoch, dananch blieb der Weg flach und im Tal. Die Landschaft erinnerte mich stark an die Voralpen, bewaldete Hügel, Wiesen in den Tälern, echt malerisch. Zwar waren die Spitzen der Berge zunächst etwas wolkenverhangen, das löste sich aber zum Mittag hin.







Gegen 12 erreichte ich Blenheim, wo ich auch einen Zwischenstopp zum Essen einlegte. Die Landschaft hier war direkt eine ganz andere, kein Wald weit und breit, dafür sehr viel Weinbau, dazu sonniges Wetter.


Hinter Blenheim wurde es jedoch hügelig. Weideland und trockenes Gras waren ab hier Programm, und ich musste zunächst einen ziemlichen Hügel hoch, eine Art Pass mit vielen Serpentinen. Oben angekommen ging es dann immer wieder lange Geraden hinab, und da die Straßenqualität es hier zuließ, konnte ich auch ein wenig Gas geben.




Das Gelände flachte schließlich wieder ab, und ich fuhr wieder gemütlicher, und legte auch eine kleine Pause an einem See ein. Trotz der ganzen Trödelei erreichte ich meine Unterkunft um 3 Uhr. Die Rezeption war zwar nicht besetzt, mein Zimmer aber offen und aufgeräumt, so dass ich es mich trotzdem schon breit machen konnte. Der Ort hat nur ein Cafe/Supermarkt/Tankstelle in einem, wo ich später auch noch auf einen Teller Fish & Chips vorbeischauen werde.




Update: Während gerade das Video gerendert wurde erfuhr ich von einem Amoklauf in Christchurch. Der Täter ist offenbar immernoch auf der Flucht, und noch gibt es wenige genauere Informationen. Nur zur Sicherheit, mir geht es gut, und ich bin noch über 200 km von Christchurch entfernt. Dennoch habe ich ein etwas mulmiges Gefühl, denn so weit weg ist es auch nicht, und ohne die zwei Tage Pause in Rotorua und Taupo hätte ich durchaus heute schon dort sein können... Hoffe einfach nur dass der Täter schnell gefasst wird.






Irgendwie ähnlich, irgendwie anders

Tag 11: Kreuzfahrt


Heute war der kulinarisch hochwertigste Tag der Reise.

Der Tag startete bereits mit einem ausgedehnten Frühstück, da das Bed & Breakfast in dem ich übernachtet habe wohl auch besonderen Wert auf zweiteres gelegt hat. Da ich heute nur 60 km zu fahren hatte, und das Wetter trocken war, gab es keinen wirklichen Grund zur Eile.

Zunächst setzte sich die Landschaft ähnlich wie gestern fort, aber nach relativ kurzer Zeit erreichte ich das Meer. Grasige Hügel links, Wellen und Felsen rechts, die Konstellation weckt ein paar Erinnerungen an Sardinien. Leider starteten ab hier jedoch teils heftige Böen, natürlich Gegenwind. Zwar klärten sich die Wolken zwischenzeitlich auf, aber wegen der steifen Brise blieb ich lieber gut verpackt.






Recht schnell verlief der Weg landeinwärts, über ein paar Hügel, bevor es dann nach Wellington bergab ging. Ich konnte das Fährterminal ohne Probleme erreichen, und da ich gestern schon alles gebucht hatte, hatte ich auch schnell meine Tickets. Auf der Fähre wusste ich nicht so genau, wo ich hin sollte, da es mehrere Passagierdecks gab, und ich nicht sicher war wo ich mit meinem günstigsten Ticket Zugang hatte. Ich fragte eine Angestellte, welche das Zusatzticket für mein Fahrrad sah und mich prompt in die Lounge brachte, obwohl mein Name nicht auf der Gästeliste stand. Ich bin nicht sicher, auf welcher Seite das Missverständnis lag, entweder wurde das Fahrradticket mit etwas hochwertigerem verwechselt, oder es bringt mehr Boni als ich dachte. So oder so war ich in der Lounge, wo es ein warmes Buffet, Nachtisch, und Getränke gab, alles bereits im Preis inbegriffen. Somit verbrachte ich die Überfahrt mit essen.


  
Meine Unterkunft in Picton war zentral, und vom Hafen schnell erreicht. Ich duschte, ruhte mich etwas aus, und wollte nur noch zu abend essen. Es waren aber schon 8 Uhr herum, und die Küchen schließen in Neuseeland sehr früh. Also war der einzige Anlaufpunkt für warmes Essen ein Hotelrestaurant mit Blick auf den Hafen und Live Musik. Es gibt schlimmeres (aber leider auch günstigeres).




Morgen findet eine etwas kürzere Tour statt, es geht nach Ward. Von dort sollte ich in wenigen Tagen Christchurch erreichen können, solange das Wetter stabil bleibt.






Tuesday, March 12, 2019

Tag 10: Regen oder Sonnenschein


Für heute war praktisch durchgehend Regen gemeldet, mit einer Chance auf Gewitter am Nachmittag. Dementsprechend überrascht war ich, als ich morgens aus dem Fenster schaute und alles noch recht trocken wirkte, wenn auch bewölkt.


Ein check der Wetter-App zeigte, dass es erst ab 9 richtig schütten sollte, also packte ich schnell zusammen und fuhr früher als gewohnt los, um noch möglichst viel Strecke trocken zu schaffen. In meiner Eile bog ich jedoch einmal falsch ab und verfuhr mich um 3,5 km, die ich dann wieder rückwärts fahren konnte. Das fatale hierbei war, dass in der "falschen" Richtung Sonnenschein und wenige Wolken lockten, in der "richtigen" war der Himmel jedoch dunkel und verhangen. Gegen kurz vor 9 fing es dann an zu regnen. Leider war es kein kurzer, heftiger Schauer, sondern ein feiner Nieselregen, der einen zwar auch durchnässt, sich aber für Stunden halten kann. Ich konnte mich rechtzeitig wasserdicht verpacken, wurde aber trotzdem ziemlich nass.



Nach einer guten halben Stunde ließ der Regen zum Glück nach, und ich konnte anfangen zu trocknen. Es schien so als würden von rechts, seitens des Meeres, nur wenige Wolken angeweht, die sich aber linkerhand an den Füßen der Berge sammeln und ausschütten. Je nachdem ob die Straße nun näher an den Bergen oder am Meer entlang lief, war es also verhangener oder klarer. Eine beständige Wolkendecke blieb aber den ganzen Tag präsent. 

Gegen Mittag kam ein zweiter Schauer, aber ich hatte gerade Levin erreicht und suchte schnell im nächstbesten McDonald's Unterschlupf. Ich ließ mir beim Essen Zeit, sodass ich wieder im Trockenen weiterfahren konnte. 

Das Wetter hielt sich glücklicherweise weiterhin trocken, und die Strecke war praktisch ununterbrochen eben, sodass ich Waikanae bereits vor 3 Uhr erreichte. Prinzipiell gut, aber meine Unterkunft öffnete erst ab 4. Ich wollte die Zeit in einem Café ein paar Straßen weiter herumkriegen, aber dieses hatte nur mittags und abends offen. Also suchte ich nach einer Bank und hoffte, dass es nicht schon wieder anfängt zu regnen. Ich hatte Glück, denn erst am frühen Abend fing es wieder an


Angeblich soll es aber morgen wieder trocken bleiben.Inzwischen ist auch die Fähre für morgen gebucht, ich sollte also zusehen dass ich es bis 14 Uhr nach Wellington schaffe, um meine Überfahrt nach Picton zu erreichen. Übermorgen geht es von dort dann weiter nach Ward.






Entspannt aber angespannt

Tag 9: Abwärts

It's just a minor thing

Heute war ein überraschend bequemer Tag, die 110 km gingen ziemlich schnell vorbei.





Der Morgen in Waiouru war mit 12 Grad recht frisch, aber es war nur leicht bewölkt, und die Sonne wärmte alles in kürzester Zeit auf. Der Weg nach Bulls war, von einigen wenigen Hügeln abgesehen, größtenteils abwärts gerichtet, gerade am Anfang gab es einige steilere Abfahrten. 




Es gab zwar nur eine handvoll Orte zwischendrin, aber diese reichten um meine Vorräte aufgestockt zu halten. Ich hatte aber im allgemeinen Grund zur Eile, da für den späten Nachmittag Regen gemeldet war. Die Fahrt verlief recht ereignislos, die Vegetation nahm zu je weiter ich kam, und auch wenn ich das Tongariro Crossing immer noch in den Waden spüre, so ist es doch ein bisschen besser als gestern. 



Zum Glück kam ich im Trockenen an, bereits knapp vor 4 Uhr. Bulls ist ein kleines Örtchen, welches aber so viele Wortspiele wie nur denkbar mit seinem Namen anstellt. Nach einem ungewohnt frühen Abendessen hatte ich auch Zeit ein wenig für die nächsten Tage zu planen (und mich mit der lokalen Katze anzufreunden).



Das morgige Ziel ist Waikanae, mit gut 90 km eine kürzere Tour als heute, und überwiegend flach. Von dort aus sollte ich übermorgen bequem Wellington erreichen und direkt nach Picton übersetzen können. Der Haken ist das Wetter, es soll morgen Gewittern, und im allgemeinen ist für die nächsten paar möglichen Anlaufpunkte Regen gemeldet. Zwar war das auch gestern und heute der Fall, der angekündigte Regen hat sich aber letztendlich nicht gezeigt. Andererseits hatte ich bisher nur trockene Tage auf dieser Reise, irgendwann muss mir das Glück mit dem Wetter wohl oder übel ausgehen...

Monday, March 11, 2019

Tag 8: Noch eine Wüste

Roaming the Wastes

Heute war wie erwartet ein längerer Tag. Zwar gab es keine besonderen Geschehnisse, dafür wurde die Situation eher von der Umwelt getrieben.

Ich startete kurz vor 8 in Taupo, es war leicht bewölkt aber die Sonne schien trotzdem schon durch. Die erste Hälfte der Strecke lief um den See herum, bis in den Süden. Das Wetter blieb stabil und der Weg war (wenig überraschend) flach. Somit erreichte ich Turangi bereits vor 12 Uhr, und konnte noch essen und meine Vorräte aufstocken. Die Sonne schien hell, also verstaute ich meine Weste und Armlinge, und schmierte mich mit Sonnencreme ein.




Ab jetzt wurde es schwieriger, denn zwischen Turangi und Waiouru befand sich effektiv nichts. Zunächst war es einfach nur ein gerodetes Waldgebiet, weitestgehend eben. Es wurde immer bewölkter, aber die Luft war trotzdem noch warm und humid, sodass die Sonnencreme nicht einwirkte und ich einfach nur fettige Arme hatte.




Dann ging es durch einen hügeligen Wald stetig immer weiter bergauf, bis ich in der Rangipo Wüste angekommen war. Die Landschaft war karg, außer Gestrüpp gedeiht auf diesem sandigen Boden anscheinend nicht viel. Und wenn man Wikipedia glauben darf, dann ist das Gebiet drei Viertel des Jahres gefroren. Inzwischen war es auch deutlich bewölkter, und da ich mich auf einer Hochebene auf ca 1000m befand, wurde es durchaus ziemlich frisch. Wegen der immernoch vorhandenen Creme konnte ich die Armlinge aber nicht wieder aufziehen, sodass es nach und nach immer kälter wurde. Ironischerweise hatte ich von hier aber eine bessere Sicht auf Mt Tongariro als gestern, also immerhin etwas. Ansonsten gab die Landschaft, abgesehen von ein paar kleinen Gewässern die überraschend tiefe Furchen in die Landschaft gezogen haben, nicht allzu viel her. Erst um 16:20 war ich am höchsten Punkt des Weges angekommen, und die Wolken waren inzwischen düster, so dass es jeden Moment anfangen könnte zu regnen.










Die letzten 20 km ging es dann wieder bergab, bis ich (trocken) in Waiouru auf 800m Höhe ankam. Der Ort ist klein, und wurde nur wegen der gleichnamigen Militärbasis gegründet. Es gab ein paar kleine Schnellrestaurants und sogar einen Subway, aber da diese bereits um 8 geschlossen hatten, war meine einzige Option für ein warmes Abendessen ein etwas schummrig wirkender Asia-Imbiss. Es gab auch eine Tankstelle, wo ich zum Glück auch wieder für morgen aufstocken konnte.

Das nächste Ziel ist Bulls, mit 110 km ist die Etappe distanzmäßig ähnlich wie heute. Jedoch geht es im Großen und Ganzen bergab, was die Sache deutlich erträglicher machen sollte. Von dort aus sollte mich nur noch 2 Etappen von Wellington trennen, und dann wäre ich auf der Südinsel.






Rivers in the Desert